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Die Kunst des mantischen Erzählens. Prima Materia

Prima Materia: Eine Werkstatt mit Tarot, Geomantie, Astrologie und Alchemie

An vier Samstagen holst du mit Tarot, Geomantie, Astrologie und Alchemie die Idee einer Geschichte ans Licht, von der ersten Ahnung bis zu den Sätzen, in denen sie sich aussprechen lässt.

Einstieg

Dante kennt die Stunde vor Tagesanbruch, in der die Geomanten ihre Figur am Osthimmel aufgehen sehen, kurz bevor es hell wird. Es ist die Stunde des Morgensterns, den die Griechen Phosphoros nannten, den Lichtbringer, weil er vor der Sonne aufgeht und den Tag ankündigt. In den Wochen dieser Werkstatt steht er am Himmel: Im Januar und Februar 2027 ist die Venus Morgenstern, und wer an einem der vier Samstage früh aufsteht, sieht sie vor Sonnenaufgang am Osthimmel.

In dieser Stunde befindet sich jede Geschichte, ehe sie geschrieben ist: Etwas ist da, eine Ahnung, ein Bild, das wiederkehrt, und noch fehlt die Sprache dafür. Die Künste der Zeichendeutung, von den Griechen Mantik genannt, sind für diese Stunde gemacht. Sie lesen aus Karten, Gestirnen und Punkten im Sand, was verborgen ist, und sie tun es erzählend, indem sie in scheinbar willkürlichen Zeichen eine Ordnung erkennen, sie in eine Folge bringen und als Botschaft deuten.

Woher diese Botschaften kommen, wissen wir nicht. Spricht in ihnen das eigene Unbewusste, eine höhere Sphäre oder eine tiefere? Greifen wir, hermetisch gedacht, in den Strom der Erkenntnis, begegnen wir dem, was manche das höhere oder wahre Selbst nennen, oder entsteht die Botschaft erst, indem wir sie lesen? Es ist dieselbe Frage, die sich die Dichter stellten, wenn sie die Muse anriefen, und Platon hat Wahrsagung und Dichtung aus diesem Grund als Geschwister behandelt. Die Künste lassen die Frage offen, und wer mit ihnen erzählt, darf es ebenso halten.

Schriftsteller haben sich ihrer immer wieder bedient. Fernando Pessoa stellte seinen erfundenen Dichtern Horoskope, Italo Calvino ließ ein ganzes Buch aus ausgelegten Tarotkarten entstehen. Mantisches Erzählen nimmt diesen Faden auf.

Das erwartet dich

Du beginnst mit einer Ahnung und arbeitest dich an vier Samstagen zu einer Idee vor, die du in wenigen Sätzen aussprechen kannst. Jede der vier Künste übernimmt dabei eine eigene Aufgabe, und jede baut auf dem auf, was am Samstag zuvor entstanden ist.

Die Samstage gehören dem Legen, dem Deuten und dem mündlichen Erzählen, mit geführten Meditationen, die dich in die Bilder hineinführen. Geschrieben wird außerhalb der Termine, in deinem eigenen Tempo.

Die Termine im Einzelnen

  • Samstag, 16. Januar 2027 · Tarot: Du legst mit deinem eigenen Deck die Karten, die dich durch alle vier Termine begleiten und deiner Ahnung ihre ersten Bilder geben.
  • Samstag, 30. Januar 2027 · Geomantie: Aus sechzehn Punktreihen entsteht die Tafel, die die Frage deiner Geschichte stellt und ein Urteil über ihren Ausgang fällt.
  • Samstag, 13. Februar 2027 · Astrologie: Die sieben alten Planeten und die zwölf Häuser geben deinen Figuren Gestalt und Zeit.
  • Samstag, 27. Februar 2027 · Alchemie: Du scheidest und verfestigst deinen Stoff, bis die Idee formuliert vor dir liegt.

Jeweils 11 bis 17 Uhr.

Was du mitnimmst

Nach den vier Samstagen hältst du zweierlei in Händen. Das eine ist der Stoff deiner Geschichte, mit ihren Bildern, ihrer Frage und ihren Figuren. Die Alchemisten nannten das Prima Materia: den Ausgangsstoff, der gefunden sein muss, bevor das Werk beginnen kann. Das andere ist das Handwerk, ihn wiederzufinden. Du kannst

  • eine Legung so lesen, dass aus den Karten eine Erzählung hervortritt,
  • eine geomantische Tafel aus sechzehn Punktreihen aufstellen und befragen,
  • eine Figur aus den sieben Planeten und den zwölf Häusern entwerfen,
  • einen Stoff mit den Operationen der Alchemie prüfen und in wenigen Sätzen fassen.

All das lässt sich mit jeder künftigen Idee wiederholen.

Begleitung im Campus

Zwischen den Samstagen steht dir im Campus der Schreibraum offen, in dem die Gruppe Austausch und Anregung findet. Dort liegt auch der Companion, ein Arbeitsbuch zu allen vier Terminen mit den Legemustern, den Verfahren und Platz für deine eigenen Aufzeichnungen. Wenn du mit deinem Stoff nach dem 27. Februar weiterarbeiten willst, kannst du das in der laufenden Ouroboros Schreibwerkstatt tun.

Für wen ist die Veranstaltung geeignet?

Die Werkstatt ist für dich gedacht, wenn du schreibst oder schreiben willst und nach dem Anfang einer Geschichte suchst. Sie ist es ebenso, wenn du schon eine vage Idee hast und sie schärfen möchtest; dann steht dein Morgenstern bereits am Himmel. Und sie ist es, wenn dich vor allem die Werkzeuge und Techniken interessieren, mit denen sich auch künftige Ideen ans Licht holen lassen, oder wenn du eine der vier Künste kennst und sie einmal erzählend gebrauchen willst.

Die Gruppe ist auf zwölf Plätze begrenzt, damit jede Legung und jeder Stoff zur Sprache kommt.

Vorkenntnisse

Du brauchst weder Vorkenntnisse in Tarot, Geomantie, Astrologie oder Alchemie noch Schreiberfahrung. Beides ist willkommen.

Bitte mitbringen und technische Voraussetzungen

  • ein eigenes Tarot mit 78 Karten
  • Stift und Papier
  • einen Rechner mit Kamera und Mikrofon

Termin, Format, Leitung und Preis

Vier Samstage: 16. Januar, 30. Januar, 13. Februar und 27. Februar 2027, jeweils 11 bis 17 Uhr (Europe/Berlin)
Format: online
Leitung: Christopher Weidner
Plätze: zwölf
Teilnahme: 480 Euro für alle vier Samstage. Das ist der Einführungspreis der ersten Runde, regulär kostet die Folge 570 Euro.

Organisatorische Hinweise

Die vier Samstage bauen aufeinander auf und sind nur als ganze Folge buchbar. Das Anmeldeverfahren wird noch ergänzt.

Reservierung

Nutze dieses Formular, wenn du keine Ticketoption siehst oder wenn du noch Fragen zur Veranstaltung hast.

Die Kunst des mantischen Erzählens. Prima Materia