Die Nacht der Mütter

Mit der Nacht auf den 25. Dezember beginnen der Tradition nach die so genannten Zwölften, die eigentlichen Raunächte. Darunter sind die zwölf Tage zu verstehen zwischen Weihnachten und Dreikönig. Sie werden deshalb Nächte genannt – obwohl der ganze tag gemeint ist -, weil nach alter Weise die Tage mit dem Sonnenuntergang am Vorabend beginnen. das bedeutet: der 25. Dezember ist die erste Raunacht, aber sie beginnt bereits mit dem Untergang der Sonne am Abend des 24. Dezember – also heute.

Die heilige Nacht der Mütter

Der 24. Dezember ist daher auch als Heiliger Abend bekannt. Es ist die Nacht, in der Jesus nach christlicher Überlieferung  das Licht der Welt erblickt haben soll. Die Angelsachsen nannten diese Nacht jedoch auch “Mōdraniht” – die Nacht der Mütter. Dies überliefert uns 8. Jahrhundert n.Chr. der Mönch Beda Venerabilis und verweist ausdrücklich auf den heidnischen Ursprung dieser Bezeichnung.

Die dreifältige Göttin

Viele Gedanken kreisen darum, wer diese Mütter sind. Vielleicht sind es die germanisch-keltischen Matronen, die oft in dreifacher Gestalt in Mitteleuropa auftauchen und die auf eine weitaus ältere Überlieferung zurückzugehen scheinen, die vielleicht bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgt werden kann. Dreifältige Göttinnen kennen auch die späteren Mythologien, vor allen Dingen als Verwalterinnen des Schicksals, beispielsweise in den Moiren der Griechen, den Parzen der Römer oder den Nornen der Germanen. Auch die Kelten kannten solche dreifältigen Göttinnen wie den Morrigan, den großen Königinnen der Anderswelt. Ein Nachklang findet sich bi in die christliche Mythologie hinein in den drei Bethen, die vor allen dingen heute noch im Alpenraum bekannt sind und den drei heiligen Madln Katharina, Margaretha und Barbara.

Ein Fest für Göttinnen

Einige Gelehrte erkennen einen Zusammenhang mit der nordischen Tradition des Dísablót, einem Festtag der zu Ehren der Disen abgehalten wurde, wohl in der Regel in der Winterszeit. Unter Disen versteht man weibliche Gottheiten und Geistwesen im Allgemeinen. Dazu gehören die bereits erwähnten Nornen, aber auch die Walküren.

Das Licht im Dunkeln reift heran

Zusammengenommen ergibt sich ein Bild, das davon erzählt, wie gerade in den dunkelsten Nächten des Jahres dem mütterlichen Prinzip besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Wir können das so verstehen: das Leben des Menschen beginnt in Dunkelheit, im Schoß der Mutter. Auch im Winter hat sich das Leben dorthin zurückgezogen – in den Leib von Mutter Erde. Es wartet nun darauf wieder geboren zu werden. Nach der Wintersonnenwende, beginnt die Sonne langsam aber sicher wieder an Kraft zuzunehmen. Das Licht ist geboren, aber es muss noch im Dunklen wachsen und reifen, bevor es das Licht der Welt erblicken darf. Es ist noch nicht der Augenblick der Offenbarung, des Sichtbarwerdens. Es ist die Zeit, in der wir in uns gekehrt sein dürfen und uns von der äußeren Welt abwenden können.

In diesem Sinne ist die heilige Nacht wirklich eine heilige, weil heilende Nacht. Etwas Neues kann empfangen werden und darf gedeihen und Kraft zu nehmen. Jetzt aber braucht es erst einmal unsere Pflege und unseren Schutz.

Die Dunkelnächte enden – die Raunächte kommen

Mit der Mutternacht enden auch die so genannten Sperr- oder Dunkelnächte, in denen wir uns auf diesen Augenblick vorbereitet haben. Jetzt beginnen die Raunächte, die wohl innigste Zeit der ganzen Jahres. Die folgenden zwölf Tage gehören ganz uns selbst. Sie sind bestens geeignet, um bei uns selbst anzukommen, aber auch um das kommende Jahr vorwegzunehmen. In unseren Träumen, Visionen, Orakeln und Zufällen dieser Tage zeigt sich der Tradition nach das, was auf uns zukommt. Wir knüpfen den Faden unseres Lebens neu, lösen uns von Altem und verbinden uns mit dem Neuen. Ganz wie die Spinnerinnen des Schicksals, die Nornen.

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