Petrinacht: Im Zeichen der Fische

Am Dienstag, den 19. Februar, war es soweit: Die Sonne betrat das Tierkreiszeichen der Fische, wie jedes Jahr um diesen Zeitpunkt. Damit werden die Themen des letzten Winterzeichens angesprochen, bevor zur Frühlingstagundnachtgleiche die Sonne in den Widder wandert und den kalendarischen Frühling beginnen lässt.

Zeit des Übergangs

Doch wie wir bereits gesehen haben, ist das so eine Sache mit dem Beginn des Frühlings. Längst lässt er sich nicht mehr verleugnen, auch wenn die Nächte kalt sind und uns durchaus frostige Temperaturen erschauern lassen. Aber die Kraft der Sonne ist stark genug, um uns zu motivieren, häufiger als noch vor wenigen Tagen unsere Häuser zu verlassen und uns an ihrer Wärme und ihrem Licht zu ergötzen.

Die Zeit der Fische ist eine Zeit des Übergangs. Die Schneeschmelze setzt ein, Gewässer treten in der Folge über ihre Ufer, Konturen verschwimmen. Der geschmolzene Schnee hinterlässt eine matschige Landschaft, die erst ahnen lässt, dass sie bald vom ersten zarten Grün beflaumt sein wird. Andererseits sind die ersten Singvögel schon fleißig auf Brautschau und der Himmel verwandelt sich immer mehr von Grau in Blau. Das ist das Kennzeichen der Fische: alles mischt sich neu, alles ist in Bewegung, aber ich nichts ist geschaffen, sondern verharrt in einer Art urbarem Chaos.

Der Menschenfischer

Es ist eine jener geheimnisvollen Übereinstimmungen zwischen Jahreslauf und Brauchwesen, dass in diese den Fischen und dem wässrigen Element geweihten Zeit ein Tag fällt, der einem Fischer heilig ist: Petritag. Eigentlich ist er nicht dem heiligen Petrus selbst gewidmet, sondern seiner Berufung auf den Bischofsstuhl in Rom. Daher auch der eigentümliche Name des Tages “Petri Stuhlfeier” oder “Kathedra Petri”.

Simon, der später auch Petrus genannt wurde, wird von Jesus als erster Apostel angeworben, als er gerade seine Fischernetze wusch. So folgt er dem Messias und wird vom Fische-Fischer zum Menschenfischer – und zum Felsen, auf dem Christus seine Kirche errichten will. Eine beachtliche Karriere für einen, der in zahlreichen biblischen Geschichten eher als ungeduldiger und zu zornigen Ausbrüchen neigender Charakter dargestellt wird. Eher ein wehrhafter Rabauke als ein frommer Prediger.

Dennoch: Er wird zum Apostel der Apostel, zum ersten Anführer der Christenheit. Dieser Aufbruch wird an diesem Tag gefeiert, genauer gesagt in der Nacht auf den 22. Februar. Interessanterweise scheint dieses Datum einige rätselhafter Bräuche inspiriert zu haben, die ebenfalls vom Aufbruch in eine neue Zeit künden – und die ihrer Wurzel nach wahrscheinlich wesentlich tiefer reichen als die christliche Überlieferung. Wie so oft.

Freudenfeuer und Sonnenvögel

Von Sönke Rahn – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Da ist beispielsweise das friesische Biikebrennen zu nennen: Freudenfeuer, an Stränden entfachte Scheiterhaufen aus alten Weihnachtsbäumen, oft begleitet von ausgelassenen Festivitäten. Auf den Inseln Sylt und Föhr wird diese Tradition besonders hoch gehalten. Jeder Ort hat hier seine eigenen Besonderheiten. Manchmal wird eine Strohpuppe verbrannt, das “Petermännchen” – eine Anspielung auf den Petritag. Natürlich steht es nicht für den Heiligen selbst, sondern verkörpert das Alte, das überwunden werden muss, damit das Neue Platz haben kann. Das Feuer transformiert den Winter in den Frühling.

Eine andere Tradition kennt man aus Westfalen: die Jagd auf den Sonnenvogel. Am Petritag ziehen Kinder von Haus zu Haus, bewaffnet mit Holzhämmern und klopfen an Türen und Schwellen der Häuser. So wollen sie den Sonnenvogel wecken. Unklar ist, was mit diesem Sonnenvogel gemeint sein könnte. Vielfach wird darunter ein Schmetterling verstanden – ein passendes Symbol, denn dieser steht für die Verwandlung des Lebens aus der Starre des winterlichen Kokons in das luftig-leichte Wesen des Frühlings. Mit ihrem Schlagen unterstützen die Sonnenvogeljäger diese Verwandlung. Nebenbei soll Ungeziefer vertrieben werden.

Der Hammer erinnert an den Gott Donar oder Thor, dem eine ähnliche das Leben weckende Kraft zugesprochen wird. Außerdem konnte Donar es damit blitzen und donnern lassen. Womit wir wieder bei Petrus sind, unter dessen Verantwortung ganz traditionell das Wetter fällt. Sollte Petrus etwa ein Nachfolger des alten germanischen Donnergottes sein? Vieles spricht dafür, insbesondere dass auffällig viele Petruskirchen in Zusammenhang mit alten Kultstätten des ungestümen germanischen Gottes stehen.

Wetterorakel

Wie auch immer. Die Petrinacht war eine wichtige Losnacht, also eine, in der es sich lohnte einen Blick in die Zukunft zu werfen. Traditionell soll sie besonders gut geeignet sein, das kommende Wetter zu bestimmen, wie zahlreiche Bauernregeln zu diesem Tag belegen:

Ist’s am St. Petri Tag kalt, der Winter noch lange halten mag.
Wie’s Petrus und Matthias macht, so bleibt’s noch vierzig Nacht.
Hat Petri Stuhlfeier Eis und Ost(wind), bringt der Winter noch viel Frost.
Ist an Petrus das Wetter gar schön, kann man bald Kohl und Erbsen säen.
Nach der Kälte der Petersnacht, verliert bald der Winter seine Kraft.


Was auch immer du tun wirst in dieser Nacht: sie ist ein Vorbote des Frühlings und es lohnt sich, sich dem Neuen zu öffnen. Ein gute Möglichkeit ist unser kostenloses Runenorakel, das du hier findest:

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