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Das Geheimnis der Gans

Das goldene Ei der Schöpfung

Für die alten Ägypter war die Gans die Urheberin der Schöpfung. Sie legte ein goldenes Ei im Ursumpf, bebrütete es, bis daraus das Urlicht der Sonne schlüpfte. Mit lautem Schnattern begrüßte sie die Entstehung der Welt. Diese mütterliche Rolle behielt die Gans in vielen Kulturen bei. Bei den Römern war sie der Juno heilig, der Göttermutter und auf ihrem Tempel auf dem Kapitol hielt man eine Schar Gänse. Dank ihrer unübertroffenen Wachsamkeit retteten sie einst Rom vor einem feindlichen Angriff, weil ihnen die kleinste Regung nicht entgeht.

Liebe und Wachsamkeit

Diese Wachsamkeit ist Teil ihrer legendären Fürsorglichkeit. Sowohl weibliche als auch männliche Gänse sorgen sich mit aufopfernder Liebe um ihre Nachkommen. Diese Liebe wurde zum Sinnbild für die göttliche Hingabe, aber auch Vorbild für elterliche Liebe und Partnerschaft. Als Tiere der Liebe waren sie nicht nur Hera heilig, sondern auch der Aphrodite. Dann wird aus ihrer mütterlichen Fürsorge pure Leidenschaft und die Lust an der Fortpflanzung.

Begleiterinnen der Sonne

Dass die Gans mit dem Zyklus des Werdens und Vergehens in Zusammenhang steht, erkannte man an ihrem Verhalten als Zugvogel. Jedes Jahr im Winter brechen die Gänse in südlichere Gefilde auf. Damit reisen sie der Sonne nach und begleiten sie von ihrer größten Schwäche an Mittwinter bis zu ihrer größten Stärke an Mittsommer. Sie ist im Besitz des Geheimnis von Leben und Tod. Der klagende Gesang, den Gänse bei ihrem Aufbruch anstimmen, mag diesen mystischen Eindruck noch verstärken. Vielleicht steckt hinter dieser Vorstellung auch der Brauch, zu Weihnachten – und davor am Tag des heiligen Martin – eine Gans zu schlachten, gewissermaßen als Opfertier der Sonnenkraft.

Heiliges Tier der Muttergöttin

Für die Germanen waren Gänse ebenso heilige Tiere. Sie glaubten, dass sich Zauberinnen in Gänse verwandeln können. Etwas ist davon noch in der Zuordnung der Gans zur Frau Holle übrig geblieben. Diese Märchenfigur ist eine Erinnerung an germanische Göttinnen der Liebe und der Fruchtbarkeit wie Freya oder Frigg. Da gibt es beispielsweise im Märchen von der Gänsehirtin am Brunnen die hexenhafte Alte, die mit einer Gänseherde in einer Einöde lebt. Oder die Hexe Baba Jaga, deren Haus manchmal als auf Gänsefüßen stehend beschrieben wird.

Die Gans im Märchen

Einen spannenden Bezug stellt auch das Märchen von der goldenen Gans her, das wir bei den Brüdern Grimm finden. Der Dummling in der Familie erhält von einem grauen Männlein, dass er unter einem alten Baum eine goldene Gans finden werde. Der Junge nimmt diese magische Gans mit, deren Federkleid so verführerisch glänzt, dass jeder es anfassen möchte – dann aber daran kleben bleibt. So bildet sich ein Schlange an Menschen, die der Dummling hinter sich herzieht. Als sie vor die Prinzessin kommen, fängt diese schallend an zu lachen. Der König hatte aber einst demjenigen, der seine Tochter zum Lachen brächte, deren Hand versprochen. Nach weiteren Aufgaben, die er mit Bravour erfüllt, heiratet der Dummling die Prinzessin und wird König. In einem übertragenen Sinne wird die Gans zum Sendboten der Bestimmung eines Menschen.

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