Das Mysterium der Rau(h)nächte – Teil 1

Die Raunächte nahen und sind in aller Munde. In zwei Teilen wollen wir euch ein wenig in die Hintergründe zu diesen zwölf magischen Nächten einführen. In diesem Beitrag geht es um den Begriff selbst: was bedeutet eigentlich Raunacht? Und wie schreibt man es richtig?

12 magische Nächte zwischen den Jahren

Wenn wir davon sprechen, dass wir zwischen den Jahren sind, dann greifen wir auf eine alte Denkweise zurück, denn so wurde schon früher der Zeitraum genannt zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar, an dem der eigentliche Beginn des neuen Jahres angesiedelt war. Genau dieses sind die Raunächte, die zwölf Nächte zwischen der Heiligen Nacht und der Nacht vor der Ankunft der Heiligen Drei Könige, die in der christlichen Liturgie als „Erscheinung des Herrn“ (Epiphanias) gefeiert wird – ein klares Zeichen dafür, dass die dunklen Tage jetzt endgültig vorbei sind. Noch heute ist dieser Tag in den orthodoxen Kirchen der eigentliche Höhepunkt der Weihnachten.

Diese seltsame Zeit war angefüllt von Märchen und Mythen, aber sie war eine gefährliche Zeit, denn die Pforten der anderen Welt standen offen und die Wesen, die dort hausten, drangen nun ungehindert in die Welt der Menschen ein. Viele der Bräuche, die für die Zeit der Raunächte überliefert sind, zielen daher darauf ab, sich gegen Geister und Dämonen zu schützen.

Andererseits war diese Öffnung zwischen Welten, das Außerkrafttreten der Ordnung von Zeit und Raum, auch eine Möglichkeit, über den Tellerrand des Alltags hinauszublicken. Aus diesem Grund galten die zwölf Raunächte auch als Zeit des Loswerfens und der Orakel.

Raunächte sind die Nächte der Rau(h)en

Woher stammt der Ausdruck „Raunächte?“ Einige leiten den Begriff von dem mittelhochdeutschen Wort rûch für „haarig“ ab, womit des Fell von Tieren gemeint ist. Noch heute werden die Produkte der Kürschnerei auch als Rauhware bezeichnet. Wenn wir uns die in Tierfell gekleideten Winterdämonen wie die Perchten anschauen, dann bezieht sich dieser Ausdruck vielleicht auf die Wesen, die in dieser Zeit vermehrt zugange sind.

Welche rauen Wesen treiben in den Raunächten ihr Unwesen? Es heißt, dass sich die Pforten der anderen Welt öffnen und Geister in Scharen über die Felder und Fluren und über den Himmel jagen – die Wilde Jagd ist los. Als Sturmwind ziehen sie über das Land und wehe dem, der sich ihnen in den Weg stellt! Da sie sich jedoch mit lautem Gebrüll, Ächzen und Heulen ankündigen, ist es ein Leichtes, sich möglichst schnell aus dem Staub zu machen, denn an sich will dieser Geisterzug dem Menschen nichts Böses, aber in ihrer Raserei werden sie den Sterblichen gefährlich. Es heißt, dass Männer, Frauen und Kinder in diesem Zug zu sehen sind, vor allen Dingen die Geister derjenigen, die vor ihrer Zeit gestorben sind, zum Beispiel eines gewaltsamen Todes.

Nun wird auch klar, warum wir in den Raunächten unsere Wäsche nicht im Freien aufhängen sollen: Das Geisterseher ist auf der Jagd nach verlorenen Seelen und treibt diese vor sich her. Diese könnten sich in den Wäschestücken fangen und hängen bleiben.

Raunächte sind Rauchnächte

Rauhnächte sind Rauch-Nächte, und das Räuchern hat in diesen Tagen eine wichtige Bedeutung, steht es doch sehr eng mit dem Element in Verbindung, das uns Licht und Wärme im kalten und dunklen Winter schenkt, dem Feuer.

Bei Räucherungen werden Kräuter und Harze unter Rauchentwicklung verbrannt. Man könnte sagen, dass die Seele der Pflanzen, die wir verbrennen, aus ihrer materiellen Hülle befreit wird und sich nun mit dem Raum in alle Richtungen ausbreiten kann.

Das Verbrennen ist schon immer eine beliebte Form der Opferung an die Götter gewesen. Der Rauch steigt zum Himmel auf und wird zur Botschaft an die Mächte, die wir dort verorten. Der Rauch ist das Vehikel unserer Bitten und Wünsch an die höheren Mächte.

Räuchern ist eine sehr meditative Handlung, die sehr gut in die Zeit der Raunächte passt. Durch das Entzünden des Feuers symbolisieren wir die Verbundenheit mit dem Licht, das in der Dunkelheit wiedergeboren wird.

Raunächte sind Raun-Nächte

Und noch etwas steckt in den Rauhnächten: das Raunen. Dieses Wort ist eng verwandt mit den Runen, jenen germanischen Schriftzeichen, denen zauberische Kräfte nachgesagt wurden, und die als Orakel geworfen wurden. In den Zwölfen, der Zeit zwischen den Zeiten, wird das Schicksal befragt und in die Zukunft geblickt, denn die Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft ist weit offen, ebenso wie die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits, Menschenwelt und Geisterwelt.

Während draußen die Rauen ihr Unwesen treiben und die Menschen in den Häusern den Rauch zum Himmel aufsteigen lassen, geschieht noch etwas anderes in der Zeit des Übergangs vom alten ins neue Jahr: die Lose werden neu bestimmt. Das Wort “Los” in seiner Bedeutung als “Schicksal” ist heute weniger gebräuchlich, auch wenn wir noch vom sprichwörtlichen schweren Los sprechen, das einem Menschen aufgebürdet wird. Heute denken die meisten Menschen bei einem Los an die Teilnahme bei einer Lotterie, wo Lose gezogen werden – und sind damit gar nicht so weit entfernt von dem, was ursprünglich mit einem Los gemeint war. Denn das Los ist weniger das Schicksal in seiner Form des Verhängnis, sondern zeigt sich, indem wir dem Zufälligen Bedeutung geben. Wenn wir auslosen, dann überlassen wir beispielsweise dem Zufall die Wahl bei einer Entscheidung. Im Los schwingt also immer der Aspekt des Überraschenden und nicht Vorhersehbaren mit. Damit trifft es recht genau den Grundgedanken der Orakel, die in den so genannten Losnächten, zu denen auch die Raunächte gehören, eine lange Tradition haben.

Die Rauhnächte sind Losnächte, jeden Abend werden Lose geworfen. Man geht davon aus, dass der Verlauf des Tages den Verlauf des jeweiligen Monats im kommenden Jahr vorwegnimmt, der 25. Dezember also den Januar und der 5. Januar den Dezember – wie im Kleinen, so im Großen, das Gesetz von Mikrokosmos und Makrokosmos. Daher ist man erpicht darauf, sich nicht zu streiten, nicht einmal die Türen zu knallen, denn das bringt Unwetter ins Haus. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum alle Arbeit ruhen soll in dieser Zeit, denn schließlich wünscht man sich ja ein stressfreies und geruhsames Jahr.

Raunächte: Rauhnächte, Rauchnächte, Raunnächte

Was steckt hinter dem Wort Raunächte? Wie wird es richtig geschrieben? Was verrät uns die Schreibweise?

Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit der Frage: Wann beginnen eigentlich die Raunächte?

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