Die Ursprünge des Osterfestes

Das höchste Fest – ein kosmisches Datum

Ostern ist das höchste Fest der Christenheit, denn es ist der Tag, an dem der Heiland auferstanden ist. Die Berechnung des Osterfestes war lange Zeit Gegenstand theologischen Zwistes, und noch heute ist die orthodoxe Kirche der Meinung, das wahre Ostern müsse nach dem julianischen Kalender berechnet werden. Das führt dazu, dass die orthodoxen Christen in Russland, Griechenland und anderswo die Auferstehung später feiern als ihre katholischen oder evangelischen Glaubensbrüder. Als Faustregel gilt jedoch: Man suche den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Frühlingstagundnachtgleiche, das ist dann das Osterfest. Erstaunlicherweise ist also dieser so wichtige Tag nicht an ein festes Datum gebunden, sondern berücksichtigt vielmehr kosmische Zusammenhänge, die an den Rhythmus der Sonne im Jahreslauf und die Zyklen des Mondes gebunden sind.

Die Frühlingstagundnachtgleiche ist ein besonderer Augenblick im scheinbaren Jahreslauf der Sonne um die Erde, an dem Tag und Nacht gleich lang sind. Ab diesem Zeitpunkt werden die Tage wieder länger als die Nächte – das Licht siegt über die Dunkelheit. Symbolisch ist dies mit dem Übergang der Sonne in das Tierkreiszeichen Widder verbunden, meist am 21. März. Dieses Datum gilt auch als Beginn des astrologischen Jahres, denn Widder ist das erste aller Zeichen des Tierkreises. Und natürlich ist es der Frühlingsbeginn. Die Verknüpfung der Auferstehung an diese kosmischen Zyklen verrät, dass es den Erfindern von Ostern darum ging, dieses Ereignis in einen höheren kosmischen Zusammenhang zu setzen. Gleichzeitig wird Ostern mehr zu einem symbolischen Fest als zu einem historischen, indem sich viele auch vorchristliche Überlieferungen spiegeln.

Das Lamm und der Widder

Auch die Wahl des Vollmondes ist nicht zufällig. Es erinnert an die jüdische Tradition des Pesachfestes, das unmittelbar am Frühlingsvollmond gefeiert wird. Aus Pessach entwickelte sich das christliche Ostern, ein Umstand, der in vielen europäischen Sprachen noch erhalten ist, zum Beispiel wenn die Franzosen zu Ostern “pâques” sagen oder die Holländer “Pasen”. Dieses jüdische Fest erinnert an den Auszug aus Ägypten und die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei. “Pessach” bedeutet “Vorüberschreiten”, denn der Todesengel, der alle Erstgeborenen der Ägypter umbrachte, schritt an den mit dem Blut eines frisch geopferten Lammes gekennzeichneten Türen der Hebräer vorüber. Christus als Lamm Gottes, dieses Bild nimmt hier seinen Ursprung.

Dies ist einer der Hinweise auf Bezugnahme zu spirituellem Wissen, das seine Wurzeln weit vor der christlichen Ära hat, denn ist es nicht der Widder, das astrologische Zeichen, das den Frühling einläutet? Was es mit diesem Symbol auf sich hat, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst: Frühlingsanfang – im Zeichen des Widder.

Rätselhaftes Ostern

Während viele Sprachen sich an den Ursprung Osterns im Pessachfest erinnern, gibt es einige Sprachen, darunter auch das Deutsche, die eine andere Bezeichnung gefunden haben: Ostern. Woher stammt dieses Wort?

Geläufig ist die Herleitung durch den Gelehrten Beda Venerabilis aus dem 7. Jahrhundert. Dieser englische Mönch berichtete, dass das christliche Osterfest bei den heidnischen Angeln nach einer ihrer Göttinnen benannt würde, der Eostra. Jakob Grimm schloss aus dieser einzigen Erwähnung, dass die germanischen Stämme wohl eine “Gottheit des strahlenden Morgens, des aufgehenden Lichts” gekannt haben müssen, die sie Ostara nannten. Diese Interpretation wird bis heute mit gutem Recht angezweifelt. Sicherlich kannten die Germanen Frühlingsfeste, deren Bräuche in die christlichen Ostertraditionen eingeflossen sein mögen, aber eine Göttin Ostara ist nirgends sonst glaubhaft belegt.

Woher aber stammt dann das Wort “Ostern”? Eine andere Deutung geht von dem altnordischen Wort “ausa” aus, das so viel wie “(Wasser) schöpfen, gießen” bedeutet. Damit würde es eher auf die in diesen Tagen stattfindenden Taufzeremonien hinweisen, die zur Zeit der Christianisierung der Germanen vorzugsweise durch Übergießen des Täuflings vollzogen wurden. Ungeachtet dessen darf man annehmen, dass heidnische Frühlingsfeste ihren Einfluss auf die christlichen Feiern hatten. Viele rätselhafte Bräuche, die bis zum heutigen Tag gepflegt werden, scheinen ihre Wurzeln in diesen zu haben, angefangen von den Osterfeuern bis hin zum zauberischen Osterwasser (vg. dazu den Beitrag Karsamstag: Feuerwunder und Wasserzauber).

Mysterien des Wasserweihe

Gerade Quellwasser im Frühling galt bei den Germanen als besonders heilig, weil es Sinnbild der aus der Erde ans Licht drängenden Kraft der wiedererwachenden Natur ist. Möglicherweise steht die bei den Nordgermanen überlieferte Wasserweihe damit in Zusammenhang. Bei diesem heidnischen Ritual wird das Kind mit Wasser besprengt und ihm ein Name gegeben. Erinnert dies nicht sehr an das Taufritrual, wie es bis heute in Kirchen üblich ist? Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Sitte, ein Neugeborenes mit Wasser zu begießen, schon lange vor dem Christentum bei den Germanen verankert war, denn viele Kulturen kennen ein ähnliches Ritual, ganz unabhängig von der Tauftradition der Christen. So verweist Ostern möglicherweise auf eine wesentlich ältere Tradition, die in den Frühlingsmonaten gepflegt wurde und von den Christen übernommen und an ihre eigenen Überlieferungen angepasst wurde.

Vielschichtig ist also der Ursprung des Osterfestes. Seine Symbole und sein Name weisen auf Mysterien hin, die tiefer reichen als die biblische Auferstehungsgeschichte. Im Kern geht es über alle Zeiten und Kulturen hinweg darum, die Wiederkehr des Frühlings zu feiern, das Wiedererstarken der Kräfte der Natur, die sich aus dem Dunkel erheben und dem Licht zuwenden.

In diesem Sinne wünschen wir allen LeserInnen unseres Geheimnisblogs ein frohes Osterfest!

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